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Meerhof im Siebenjährigen Krieg

 

Der am 09.12.1869 verstorbene Lehrer Ferdinand Schürmann begann im Jahre 1857 auf Drängen des damaligen Amtmanns Brunstein mit der Meerhofer Chronik. In den einleitenden Abschnitten berichtet er aus der Zeit vor 1800. Diese beginnt er mit der ersten urkundlichen Erwähnung unserer Gemeinde. In einem dieser Abschnitte wird auch über die Zeiten des Siebenjährigen Krieg berichtet.

Ferdinand Schürmann schreibt: „Der Siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763 hat das Sintfeld und unsere Gemeinde scharf mitgenommen, oft war das Sintfeld Schauplatz von größeren und kleineren Gefechten und Durchmärschen von allen Truppengattungen, wodurch aller Vorrat an Lebensmitteln verschwand. Auch Vieh aller Gattungen wurde mit fortgetrieben. Hierdurch und durch die häufigen Kriegsfuhren, welche so schwer wie nur möglich gemacht wurden, schmolz das Ackervieh so zusammen, daß in hiesiger Gemeinde nur zwei Pferde geblieben sind.“ Weiter schreibt er, „im Jahre 1759 am 14. Juni rückte der französische Marschall Contades mit einer großen Armee von Stadtberge her und schlug sein Lager von Meerhof bis Fürstenberg auf, sein Hauptquartier war in Meerhof.“  Am 24. Juni verließ die Armee Meerhof und zog in ein Lager bei Paderborn. In  der Chronik von Schloss-Hamborn lesen wir, dass die Armee von Contades eine Stärke von 80.000 Soldaten hatte. Es ist unschwer zu erkennen, welche gewaltige Menge an Nahrungsmitteln eine solche Streitmacht benötigte. So wurden für einen Tag 80.000 Pfund Brot benötigt. Die benötigte Infrastruktur wurde aus dem Boden gestampft. Dazu mussten auch die Pferde versorgt werden. Die Gemeinde-Chronik berichtet „Pferde haben den Kohl aus den Gärten verzehrt. Holz mußte von den Bauern geschlagen werden oder es wurden Häuser abgebrochen und verbrannt.  In Essentho wurde der Plettenbergische Gutshof nebst Herrenhaus von französischen Truppen eingeäschert. Es mußten Wagengespanne zum Transport bereitstehen, Einheimische wurden zu Schanzarbeiten herangezogen und Soldaten wurden in Häusern und Stall einquartiert.“ Im Schriftverkehr mit Contades schriebt der französische Kriegsminister:  „Sie, mein Herr, müssen ganz Westfalen in eine Wüste verwandeln und in den Ländern an der Lippe und Paderborn, als den fruchtbarsten Provinzen, muss alles bis auf die Wurzeln in der Erde ausgerottet werden.“ (Zit. Nach Archenholtz, Die Geschichte des Siebenjährigen Krieges, Reklam, Leipzig 1904) Lebensmittel verteuerten sich sehr und der Großteil der Bevölkerung hungerte.

Am 5. August 1761 wurden französische Truppen beim Kloster Bredelar von alliierten Truppen unter der Führung von Herzog Ferdinand von Braunschweig angegriffen. Im Bericht der alliierten Truppen heißt es: „Am 4. August marschierten die drei Regimenter englischer Dragonergarde Blands, Waldegrawe und Howard, in gleichen zwei Brigaden Infanterie von unserer großen Armee in die Gegend von Haaren und Meerhof zum Corps des Generals Gramby. Herzog Ferdinand ritt ebenfalls nach Meerhof, wo er selbst die folgende Nacht campierte.“ Am 5. August marschierten weitere Truppenteile von Brenken nach Meerhof.  Die französischen Truppen wurden am Kloster Bredelar angegriffen und bis zur Diemelbrücke in Richtung Giershagen verfolgt und dort in ein schweres Gefecht verwickelt. Im Gefechtsverlauf wurde auch der Kirchturm der nahen Kluskirche durch einen Artillerie-Treffer beschädigt. Bei dem Gefecht fanden 350 Soldaten den Tod. Die Gräber der Soldaten wurden bei Straßenbauarbeiten aufgefunden.

Zur gleichen Zeit wurden 200 französische Soldaten in Westheim von General Mylord Gramby mit zwölf englischen Grenadier-Kompanien angegriffen. Diese drängten die französischen Soldaten über die Diemel zurück.

Laut Meerhofer Chronik hatte General Gramby sein Lager zwischen Meerhof und Blankenrode.

Soldat

 


Vor 150 Jahren: Hunger in Meerhof

Ursachen: Mäuseplage und katastrophales Wetter im Sintfeld.

Der damalige Orts-Chronist beschreibt das Frühjahr 1866 als kalt und trocken, sodass das Wintergetreide durch eine  verspätete Schneeschmelze und auch unter der rauen Luft sehr gelitten habe. Nach der Aussaat des Sommergetreides sei es zunächst sehr trocken gewesen, dann aber habe es geregnet und alles sei „hoffnungsvoll aufgegangen“.

Weiter schreibt der Chronist: „Doch bald zeigte sich ein neues Übel. In kurzer Zeit war die Feldmark wie überschüttet von Mäusen, welche jede Fruchtgattung angriffen. Mit aller Gewalt mußte im Monate August die Winterfrucht abgemäht werden, um diese in etwa der Verheerung zu entreißen. Darauf fielen die Mäuse die Sommerfrucht an und bis diese zur Reife kam, war sie auch größten Teils vernichtet. Mehrere große Stücke Hafer und Wicken konnten gar nicht gemäht werden. Dieser Schaden ist gar nicht zu berechnen, da der Ackerbau der Haupterwerb der Gemeinde ist. Das Brotmaterial ging bei den meisten zu früh aus und von den übrigen Früchten konnte wenig verkauft werden, somit mußten sich die Schulden der Einwohner vergrößern.

Maeuseplage

 

Aber dies ward noch nicht allein. Die Ernte war noch nicht ganz vollendet, so fielen die Mäuse über die neu ausgesäte Winterfrucht her. Sie fraßen die Körner, ehe sie aufgingen, das grüne Keimchen, was ihnen zuerst entgangen war und nach kurzer Zeit war in der ganzen Feldmark kaum noch ein Hälmchen grüner Roggen oder Weizen oder auch ein Pflänzchen Klee oder anderer Futterkräuter zu sehen. Es wurden Fallen zum Fangen gelegt und Tausende gefangen; es wurde Gift gelegt und Millionen damit getötet, aber alles half nichts. Der ganze Boden des Feldes war unterwühlt und die Oberfläche war einem großen Sieb ähnlich. Mit Schaudern sieht man dem kommenden Jahre entgegen.“

Im darauf folgenden Jahr 1867 wurde aufgrund der  Mäuseplage im Vorjahr die Aussaat für die Sommerfrucht vernichtet. Für die erneute Aussaat mussten viele Meerhofer Schulden aufnehmen.  Die Not vergrößerte sich als im Mai, die meisten das Viehfutter aufgebraucht hatten und noch kein neues Futter in Aussicht war.  Der Chronist notiert: „Man sah das arme Zugvieh bei den vielen Arbeiten wankend vor Pflug und Egge gehen und das Rindvieh wie ausgemergelt stehen.“

Dies änderte sich erst, als die Königliche Regierung  erlaubte, auf Wegen und freien Plätzen im Wald das Vieh zu hüten. Für die Beschaffung von Saatrogen mussten wieder Schulden aufgenommen werden, für die – so der Chronist – „noch Generationen bezahlen werden“.

Die größte Not war das fehlende Brot und die steigenden Preise für Brotgetreide. Woher Brot nehmen, damit die Vielen was zu essen haben? Etliche hatten schon zu Anfang des Jahres ihren geringen Vorrat aufgezehrt. Die Preise fürs Brotmaterial stiegen von Monat zu Monat. Da Geld knapp war und niemand noch mehr  Schulden anhäufen wollte, steigerte sich die Not ins Unermessliche. Auf Antrag des Amtsrates Brunstein an die Königliche Regierung genehmigte diese die Ausgabe von Brotgetreide aus den militärischen Magazinen auszugeben, wobei das Ausgegebene von der kommenden Ernte ersetzt werden sollte.

Die Chronik berichtet weiter, das Jahr 1867 sei regnerisch und nass verlaufen. Wegen anhaltenden Regenwetters verdarben die meisten Früchte im Felde. Auch was nass nach Hause gefahren wurde, verdarb schließlich. Die nasse Witterung zog die Ernte bis in den November hinein, wo es bereits Frost gab und Schnee fiel. Das Grummet blieb auf den Wiesen liegen. Die Kartoffeln schienen anfangs gut zu werden und den Hunger zu stillen, jedoch durch die große Nässe „kamen selbige im Herbst schlecht und viele faulkrank ein“.

Über die neue Aussaat heißt es: „Die Winterfrucht und Futterkräuter haben ein gutes Aussehen und versprechen, sofern sie vor Unheil bewahrt bleiben, eine gute Ernte.“ Weiter schreibt der Chronist: „Das Jahr 1868 ist ein in Wahrheit gesegnetes Jahr. Auf einen gelinden Winter folgte ein warmer Frühling, wodurch die Aussaat der Sommerfrüchte befördert wurde. Zuweilen eintretende Gewitterregen beförderten das Aufkeimen der Früchte und bald standen die Felder in üppiger Fülle da und versprachen die beste Hoffnung, die sich im Herbste auch aufs beste bewährte. Die Roggen-, Weizen- und Kleefelder, die schon im vergangenem Herbst ein gutes Aussehen hatten, zeigten sich bald so, daß nichts daran zu wünschen übrig blieb. Schon in den letzten Tagen des Monats Mai wurde der Klee zur Fütterung gemäht und verschaffte hinreichende Fourage[1], eine ganz andere Wendung gegen die Vorjahre. Der Sommer war sehr trocken und warm. Zuweilen erfrischte ein Gewitterregen die Fluren und alles stand in schönster Pracht. Die Heuernte war gut und ging rasch vorüber. Schon Mitte Juli begann der Roggenschnitt und auf Laurentius, welches Fest den 9. August gefeiert wurde, wurden schon aus dem Mehle des neuen Weizen Kuchen gebacken. Auch die übrige Ernte ging gut und möglichst rasch vorbei. Mitte September waren die meisten damit fertig. Alle Bodenräume und sonstige Winkel waren gefüllt und 7 bis 8 Korndiemen[2] auf dem Felde sagten jedem Fremden, daß die Gemeinde eine gute Ernte gemacht habe. So wie das Getreide die Böden füllte, so füllten die Kartoffeln die Keller. Nicht nur eine Menge, sondern auch wohlschmeckender Kartoffeln wurden geerntet. Nur das eigentliche Gemüse war wegen der Dürre zurückgeblieben und kam nicht so reichlich ein. Auch der Herbst war mehr trocken, als naß und der Ackersmann konnte mit der größten Gemächlichkeit die Äcker umpflügen und die Schäfer ihre Herden zu ihrer größten Freude bis in den Winter hinein hüten. Die neuen Winteraussaaten und die Kleefelder versprachen wieder alles Gute. Ein Winter schien nicht herankommen zu wollen. Geringer Frost und Schneefall wechselten immer wieder mit Tauwetter bis Neujahr. Anfangs November kam die Verfügung, daß das im vorigen Jahre aus dem Militär- Magazin zu Minden erhaltene Brotmaterial, 1121 Centner halb Roggen, halb Mehl, abgeliefert oder bezahlt werden sollte. Auf besondere Verwendung des Herrn Amtmann Brunnstein gelang es demselben, mit einer zuverlässigen Kornhandlung zu Minden abzuschließen, das erhaltene Brotmaterial in hartem Korn wieder abzuliefern. Der hiesige Hafer war ausgezeichnet geraten und wurde deshalb als Saathafer gesucht.“

Nach einer weiteren guten Ernte im Jahr 1869 ereilte dem Sintfeld erneut eine Mäuseplage. Die Chronik berichtet zum Jahr 1870: „In diesem Jahre richteten in unserer Feldmark die Mäuse großen Schaden an. Sämtlicher Klee und der größte Teil der Winterfrucht waren während des Winters durch Mäusefraß so zerstört worden, daß die meisten der betreffenden Äcker im Frühjahr umgepflügt und mit Sommerfrucht bestellt werden mußten und auch diejenigen, welche am wenigsten gelitten hatten, lieferten nur einen äußerst geringen Ertrag. Die Beschaffung des erforderlichen Saatkorns und der Fourage brachte die Einwohner hiesiger Gemeinde in sehr drückende Verhältnisse, und da der Sommer in Folge vorherrschender Dürre und der Herbst wegen zu großer Nässe die Früchte nicht gedeihen ließ, so wurde die Ernte überhaupt, insbesondere aber die Kartoffelernte sehr schlecht.“

Von den verbleibenden Jahren bis 1900 sind weitere fünf Jahre von einer Mäuseplage gekennzeichnet. Weitere acht Jahre sind durch ungünstige Witterung geprägt. Über eine Notzeit wie in den Jahren 1866 und 1867 wird allerdings nicht mehr berichtet.

 

[1] militärischer Begriff für Pferdefutter

[2] im Freien angehäuftes Korn

 


Heinrichsflut, oder als die Flut in unsere Heimat kam.

 

Vor 50 Jahren, am 16. Juli 1965, wurde unsere Heimat durch ein seltenes Wetterphänomen getroffen: der Bildung eines Kaltluftpfropfens. Ein Kaltluftpfropfen ist ein Kaltluftbereich, der sich in großer Höhe befindet und von warmer Luft umschlossen ist. In den Sommermonaten führen solche Kaltluftpfropfen zu sehr ergiebigen Regenfällen und Gewittern, so auch am 16. Juli 1965. Nach Angaben der Wetterstation in Bad Lippspringe wurde eine Niederschlagsmenge von 135 Litern je qm gemessen. Der Regen traf auf einen Boden, der infolge eines feuchten Frühjahres bereits von Nässe gesättigt war  und deshalb weitere Wassermengen nicht aufzunehmen vermochte. Darum wurde der Starkregen des 16. Juli über die Erdoberfläche abgeführt.

In Meerhof trafen die an der Oberfläche geführten Was­ser­ströme aus dem Kirchweg (Zur Egge), dem Oberdorf, dem Kohlweg und der Sintfeldstraße am Grund­stück nahe der Einmündung der Drosselgasse aufeinander und durchströmten das  Haus Rosenkranz (Sintfeldstraße 7) auf dem Weg zum Rhein. In zahlreichen weiteren Häu­sern im Unterdorf liefen die Keller voll, sodass sie ausge­pumpt werden mussten.

Heinrichsflut

Im Meerhofer  Wald wurde aus dem kleinen Piepenbach ein großes Fließgewässer, des­sen Wassermassen sich an der Dalheimer Klostermauer stauten, bis sie dem Druck nicht mehr standhalten konn­te. Die Fluten durchbrachen die erste und auch die zweite Mauer und ergossen sich zur „Neuen Mühle“ hin, wo sie sich mit der ebenfalls Hochwasser führenden Altenau vereinigten und durch das Altenautal nach Husen, Etteln und Henglarn flossen. Die Gemeinde Etteln  wurde besonders schwer heimgesucht. Die Fluten rissen Häuser und Stallungen ein; sie trieben Hausrat, Autos, lebendes und totes Vieh vor sich her. Sonst ein friedliches Bächlein, wandelte sich die Altenau in einen schmutzigen gelb-braunen Strom, der sich mit einer zwei Meter hohen Welle durch Etteln wälzte.  So eine Flut hatte man seit Menschengedenken nicht erlebt; denn sie reichte bis in die zweite Etage der Wohnhäuser.

Auf der anderen Seite der Egge, die zur Weser hin entwässert, kam es dicht unterhalb des Höhenkammes auf ca. 600 Metern zu einem Erdrutsch. Dieser begrub den europäischen Fernwanderweg „Alpen – Ostsee“  unter sich. Geht man heute auf diesem Weg, so ist dieser Erdrutsch noch immer gut in der Landschaft zu erkennen. Auf der Oesdorfer Seite der Egge stürzte das Wasser vom Hohenloh in den Dahlbach. Dieser schwoll zu einen riesigen gelbbraunen Strom an, stürzte durch die Hüffe zum heutigen Andreasplatz. Dort wurde eine Brücke beschädigt und ein Haus sogar derart, dass es neu errichtet werden musste. Ein weiters Haus konnte durch das Öffnen der Deelentür gerettet werden, damit der Dahlbach fast ungehindert durch das Gebäude fließen konnten. Zwischen Oesdorf und Westheim wurde die Straße im Bereich der Zufahrt zum Karolinenhof vollständig wegge­spült. Da­hin­ter rissen die Flu­ten eine leere Wassertonne mit. Diese Tonne verklemmte sich in der Unterquerung der B7. Weiterer Unrat und Gras verstopften diese Engstelle schließlich so sehr, dass sich der Dahlbach aufstaute und in Westheim den gesamten Bereich nörd­lich des Bahndamms überflu­tete. An der Molkerei wurde ein Wasserstand von 1,10m gemessen.

In den Bicke-Wiesen bei Blankenrode kam es zu einer weiteren Katastrophe. Pater Kleffner notierte in der Pfarr­chronik: „Bei der Abendmes­se wurde ich schnell­stens zu ei­nem Versehgang gerufen nach Blankenrode. Ein Schü­ler, Heiner Kukuk, war beim Kühehüten vom Wasser er­fasst, meiner Ansicht nach vor einen Stacheldraht geschwemmt und ertrank.“

Meerhofer, die sich als Pendler von Paderborn aus auf dem Heimweg befanden, hatten wegen der Fluten große Mühen, nach Meerhof zu kommen. Pater Kleffner berichtet dazu: „Ich war selbst unterwegs und wusste mit dem Wagen fast nicht nach Meerhof zurückzukommen. Von der Henglarner Höhe sah ich Henglarn unter Wasser. In Borchen ging die Brücke hinter uns nieder.“ Einige Meerhofer gelangten nur mit Hilfe von Pferdefuhrwerken zurück nach Meerhof.

Durch die Heinrichsflut im Juni 1965 verloren in unseren näheren und weiteren Nachbardörfern elf Menschen ihr Leben.

Christoph Lücke

 


Geschehen im Ersten Weltkrieg.

Nachdem der österreichische Thronfolger in Sarajewo ermordet worden war, wurde seitens der deutschen Regierung angeordnet, die Marine und das Heer sollten sich „Kriegsbereit aufstellen“. Der 2. August wurde als erster Mobilmachungstag festgelegt. Da bereits seit längerer Zeit eine angespannte Stimmung herrschte, wurde dieser Befehl mit Begeisterung begrüßt, glaubte man doch an einen kurzen Krieg.

GAststätte Vorwerk

 

Gaststätte Vorwerk, heute Dalheimer Straße 29, Meerhof, Wandbeschriftung: Jetzt ruft das Vaterland uns wieder, als Reservist als Landwehrmann, Meerhof 2.8.1914, Andenken an unsere Kameraden. Schrift auf dem Fass: Erster Mobilmachungs Tag

„Am Vorabend des ersten Mobilmachungstages versammelte sich der Kriegerverein im Gasthaus Förster, wo der Schäfer Johannes Stöwer seinen besten Hammel zu einem Festmahl herrichtete. In der Frühe des 1. Mobilmachungstages, am 2. August, zogen die ersten jungen Krieger aus der Heimat. Auf mit Grün und Fahnen geschmückten Wagen fuhren sie mit Musik und Gesang nach Westheim. Hier wurden Sie von der Westheimer Musik empfangen und unter Musik und Trommelschlag zur Bahn geleitet. Brausend fuhr der geschmückte Zug, mit hunderten Kriegern schon gefüllt, in die Station ein. Ein letztes Lebewohl, und hin ging es hinaus in die Garnison nach Paderborn, von da nach dem Rhein, über den Rhein nach Belgien hinein. So ging es fast Tag für Tag. Hatte man mit einem baldigen Ende des Krieges gerechnet, so mußten sie sich bald enttäuscht sehen. „Haue bekommen die Feinde, daß sie den Wänden herauf fliegen und Weihnachten sind wir wieder hier“, rief Oberförster Graven siegesbewußt aus, aber Weihnachten 1914 war sein Körper bereits unter der Erde. Ahnungsschwer schrieb der Meerhofer Pfarrer Weber in die Pfarrchronik: „Es ist ohne weiteres klar, dass in diesem Kriege, gegen den die letzten Kriege nur Paraden waren, mit hohen Verlustziffern zu rechnen ist.“

Mit der Mobilisierung wurden der örtlichen Landwirtschaft viele ihrer Leistungsfähigsten Arbeitskräfte entzogen. Nur durch eine lang anhaltende, gute Witterung konnte mit Einsatz von Frauen und Kindern die gesamte Ernte gut eingebracht werden. Was die Hände der Frauen, Mädchen und Greise in den schweren Kriegsjahren geleistet haben, läßt sich hier nicht beschreiben.

Aber schon bald trat, wie Pfarrer Weber schreibt, „auf der anderen Seite ein Mißstand auf, der sich im Laufe des Krieges sehr verschärfte, nämlich die Verteuerung der Lebens- und Bedarfsmittel, besonders derjenigen, die aus dem Ausland bezogen oder zu deren Herstellung  ausländische Artikel nötig waren, z. B. Seife, Öl, Kaffee, Gewürze....Weil in Deutschland sehr viel Rübenzucker hergestellt wird, wurde der Zucker bei seinem alten Preise neben Kartoffeln das Hauptnahrungsmittel für die Kriegszeit. Am höchsten stiegen die Preise für Pferde und Schweine. 1 Pferd, das sonst wohl mit 600 M. bezahlt wurde, kostete 1800 – 2000 M. Für ein gutes Pferd zahlte man später 4000 M. und mehr. In den ersten Kriegsmonaten wurden für die Schweine für 100 Pfd. Lebendgewicht 70 – 80 M. bezahlt, später 100 – 125 M. Da ausländische Fette ausblieben, stiegen die Preise für Butter, Margarine, Schmalz und Speck ebenfalls um das Doppelte. Im Winter zeigte sich eine große Petroleumknappheit, so daß bei jeder Lieferung eine wahre Petroleumjagd, stellenweise sogar Petroleumkrieg entstand.Wie heikel die Nahrungsmittelfrage schon im Anfang des Krieges war, geht daraus hervor, daß...bereits am 28. Oktober 1914 in dieser Sache folgende Verordnungen erlassen wurde:

Mahlfähiger Roggen und Weizen, auch im geschroteten Zustande, Roggen- und Weizenmehl dürfen nicht verfüttert werden. Nur Roggenverfütterung kann ganz ausnahmsweise auf Antrag zugelassen werden. Roggen muß bis zu 72%, Weizen bis zu 75% durch-gemahlen werden. Dem Roggenbrote muß mindestens 5% Kartoffelflocken, Kartoffelwalzmehl oder Kartoffelstärkemehl oder 4% gequetschte oder geriebene Kartoffeln zugesetzt werden. Mehr Kartoffeln enthaltendes Brot ist mit „K“ zu bezeichnen. Bei Zusätzen von Flocken u.s.w. über 20%, von gequetschten oder geriebenen Kartoffeln über 16% ist dem „K“ die Prozentzahl zuzusetzen. Weizenbrot muß mindestens 10% Roggenmehl enthalten.“

Ab 1915 drehte sich im Innern alles um die Ernährungsfrage. Pfarrer Weber schreibt: “ Zwar verkündete die Regierung bald: der Aus- hungerungsplan ist zuschanden geworden, gleichwohl war Einschränkung auf allen Gebieten das Gebot der Stunde.

Die Regierung setzte wieder mit Maßnahmen ein. Vom 15. Februar 1915 wurde der Brotverbrauch im ganzen Reiche einheitlich geregelt. Darnach wird jeder erwachsenen Person und Kindern über 5 Jahren 250 Gramm Brot pro Tag zugewiesen. Kinder unter 5 Jahren erhalten die Hälfte. Die Selbsterzeuger des Brotgetreides dürfen ihr Mehl selbst verbrauchen, müssen aber das übrige Korn an die Kriegsgetreide- stelle des Kreises Büren in Büren abliefern. Für alle anderen Personen wurden Brotkarten ausgegeben. Jede Karte berechtigt zum Kaufen von 1750 Gramm Brot, das also für eine Person eine Woche aushalten muß. In der folgenden Zeit wurden dann ab und zu die Vorräte festgestellt, so am 9. Mai der Roggen, Weizen, und Gerstevorrat, am 15. Mai der Kartoffelvorrat u.s.w.“

Im zweiten Halbjahr 1915 wurde, wie Pfarrer Weber schreibt, „die Lebensmittelfrage immer brennender. Jeder Landwirt erhält eine Mehl- karte, auf der jedesmal vom Müller das ausgemahlene Getreide verzeichnet wird. Die Erd- und Himbeeren waren ausnahmsweise gut ge- raten, und so konnten aus denselben Säfte und Gelees hergestellt werden, die in bester Weise die so teure und rare Butter ersetzen. Auch aus Holunderbeeren und Hagebutten wurde Marmelade hergestellt. Seit September sind alle Kupfer- und Messinggeräte beschlag-nahmt. Entbehrliche Sachen wurden von der Behörde (beschlagnahmt) angekauft, nötige Geräte dürfen vorläufig erst noch gebraucht werden. 

Mitten in den Kriegswirren gab es für die Meerhofer ein freudiges Ereignis, am 14. Oktober 1915 wurde die neu errichtete Pfarrkirche ge- weiht.

Im Jahr 1916 nimmt, wie Pastor Weber weiter schreibt, „die Lebensmittelteuerung immer mehr zu. So kostet z.B. 1 l. Öl 8, sogar 10 M., 1 Pfd Butter 2,40 M. Speck ist fast nirgends mehr zu haben und zu bezahlen....Hausschlachtungen unterliegen der staatlichen Kontrolle und werden bis auf weiteres untersagt.“  Am Meisten hatten die Stadtbewohner zu leiden, darum zielten viele Maßnahmen auf ihr Wohl- ergehen. Eine dieser Maßnahmen war, wie Pfarrer Weber berichtet, „die Überbringung von  Stadtkindern auf das Land.“ Ihnen wurde ausreichende Ernährung unter der Landbevölkerung gewährt. Es fanden 8 Kinder Aufenthalt; daneben hatten auch zahlreiche Familien Stadtkinder aus Verwandten- und Bekanntenkreisen aufgenommen. Im September fielen die Haferernte und die Aussaat der Winter- frucht zusammen, dazu wurden von der Militärverwaltung Gefangene zur Verfügung gestellt. Auch dem Forst wurde Entgegenkommen gezeigt, um notwendiges Kriegsholz zu schlagen. Bei der Gaststätte Vorwerk, heute Dalheimer Straße 29 in Meerhof, wurde ein Gefan- genenlager für 30 Franzosen eingerichtet. Die Getreideernte wurde als eine Mittlere bezeichnet. Die Kartoffelernte fiel wegen Krautfäule in diesen Jahr sehr schlecht aus, so dass, ein allgemeiner Kartoffelmangel herrschte. Der allgemeine Mangel an Nahrungsmitteln konnte im Winter 1916/ 1917 nur durch den Verzehr der reichlich Vorhandenen Kohlrüben gemildert werden. Neben der bekannten Kohlrüben- suppe gab es  Koteletts von Kohlrüben und Kuchen von Kohlrüben. War einem alles mal über, so gab es auch Kohlrübenschnaps. 

Im Jahre 1917 wurde infolge des starken Verbrauchens von Munitionen nach dreijähriger Kriegszeit das Kupfer allmählich knapp. Darum wurde am 30. Juni 1917 unsere kleine Glocke  abgeholt.

1918

Die inzwischen von Pastor Hesse weitergeführte Chronik verzeichnet, dass vom ersten März an Milchkarten eingeführt wurden und dass jeder Selbstversorger nur noch 6 ½ kg Brotgetreide pro Monat erhielt.

Weiter heißt es: „Am 13. Juli wurden die Meerhofer um 5.15 Uhr durch einen dem Erdbeben ähnlichen Krach geweckt.“ Die Munitions-fabrik in Hoppecke war infolge eines Unfalls gesprengt worden.  Vom  24. Juli an wurden sogar Feldpatrouillen  zur Bewachung der Felder aufgestellt, weil immer wieder Früchte von so genannten Hamsterern  geraubt wurden. Mitte  August wurden fleischlose Wochen einge-führt; danach erhielt jede Person nur noch 100 Gramm Fleisch pro Woche.  Im Oktober kam dann die spanische Grippe nach Meerhof und forderte viele Opfer. Unter anderem starb an dieser Grippe der französische Kriegsgefangene Marcus Milon. Auch nach dem Waffenstill- stand am 11. November 1918 verbesserte sich die Versorgungslage der Bevölkerung nur schleppend.

Christoph Lücke



Kalendereintrag 2014:

 

Entstehung der Hausnummern.

Aufgrund von häufig auftretenden Brandunglücken, die zur Verarmung vieler  Familien führten, begann man in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Einführung einer allgemeinen Brandversicherung. Für das Hochstift Paderborn, zu dem auch Meerhof gehörte, wurde eine solche Feuersozietät 1769 eingerichtet. Für diese allgemein verpflichtende Feuerversicherung war es wichtig, ein Verzeichnis der vorhandenen Gebäude zu erstellen. In dieser Liste wurden die Gebäude mit ihrem Schätzwert eingetragen. Zu diesem Zweck wurde eine Kommission eingerichtet, welcher mehrere Bausachverständige – Zimmer-, Mauer- und Dachdeckermeister – angehörten. Jedes Haus wurde hierbei mit einer fortlaufenden Nummer bezeichnet und in das Brandkataster eingetragen. Auf diese Art und Weise entstand erstmals eine Nummerierung aller Häuser eines Ortes. Hierbei richtete sich die Nummerierung nicht nach der Lage der Gebäude, sondern lief, angefangen mit der Nummer 1 (Hofstelle „Schleykers“, heute: Alte Schule), dem Weg der Kommission folgend durch bis zum Ende. Im Urkataster von 1831 ist dem Weg der Kommission durch Meerhof noch gut zu folgen. Nach dieser Erstaufnahme erhielt jedes weitere neue Haus die nächste freie Nummer. Wurde ein bestehendes Haus z.B. durch Feuer vollständig vernichtet und der Hauseigner errichtete an anderer Stelle im Ort sein neues Haus, so erhielt dieses neue Haus die Nummer des vernichteten Gebäudes. Oft wurde so nicht nur die Hausnummer beibehalten, es ging auch der Hausname auf das neu errichtete Haus über.

Auf Dauer führte eine solche Gepflogenheit natürlich zu einem großen Durcheinander der Hausnummern. Dennoch wurde diese Ordnung bis zur kommunalen Neugliederung 1975 beibehalten.

Zur etwas genaueren Lagebezeichnung eines Wohngrundstücks wurde das Dorf inoffiziell grob in folgende Bereiche eingeteilt:

plattdeutsche Bezeichnung

hochdeutsche Bezeichnung

Lage

Üöwerdurp

Oberdorf

heutige Dalheimer Straße von Wiepen (ehemals Meggerennekes) bis Ortsausgang Richtung Autobahn und oberer Teil der heutigen Laurentiusstraße, also alles was nördlich der Kirche liegt. Dazu zählte auch der Bereich um das Feuerwehrhaus inkl. Schule.

Ungerdurp

Unterdorf

heutige Dalheimer Straße südlich von Wiepen und südlich der Kirche, also auch Taubenweg, Dränkeweg und Sintfeldstraße (mindestens bis Noltens=Rosenkranz)

Winkel

Winkel

von Raschkens (heute Turnhalle) und Langemiärtens (alte Hofstelle von Rüden) bis Hiärwest (Hofstelle Herbst)

Kamp

Kamp

heutige Kampstraße von Deykmanns (heute Schäfers) bis Günter Agethen inkl. Seitenarm bis Glunts (Niewels)

Kiärkwiäg

Kirchweg

Von Ruthens und Wiegers (Post) bis Kouhlwehners (Lülfs). Diese Straße benutzten die Meerhofer, wenn sie zu ihrer Pfarrkirche nach Oesdorf wollten. Erst seit 1902 hat Meerhof eine eigene Pfarrei.

Drüft

Trift

heutige Lange Straße von Pott (P. Henneken) und Krieners  (H. Kriener) bis zum Försterhaus

Siedlung

Siedlung

Alle nacheinander nordwestlich der Trift entstandenen Wohnstraßen, beginnend 1950 mit den heutigen Straßen „Zur Langen Grund“ und „Am Buchenwald“, 1961 gefolgt von der heutigen Straße „Zu den Eichen“ und Ende der 60er Jahre nach und nach ergänzt, zunächst mit der heutigen Herfeldstraße und der Wiesenstraße, noch später ergänzt mit der Robert-Koch-Straße, der Fliederstraße und der Beethovenstraße. Anfang der 90er Jahre wurde damit begonnen, den letzten Siedlungsabschnitt, die Mozartstraße, zu bebauen.

plattdeutsche Bezeichnung

hochdeutsche Bezeichnung

Lage

Bäcker- Ecke

Bäcker- Ecke

Weg zwischen Dalheimer Straße 3 (Klöpp) und 7 (Düllmanns) zum Spielplatz Zur Egge (ehemals ein Teich namens Dränke). Die Bäcker-Ecke hat ihren Namen vom Gehöft mit dem Hausnamen „Weggebäckers“, was so viel wie „Brötchenbäcker“ bedeuten dürfte. Weggebäckers (Familienname: Schröder) errichteten Mitte der 60er Jahre einen Aussiedlerhof nahe der heutigen Autobahn-Ausfahrt. Das alte Haus in der Bäcker-Ecke kauften Meggerennekes (Familienname: von Rüden). Heute steht dort ein von der Familie Köster (Hausname: Eckens)  neu errichtetes Mehrfamilienhaus.

Drosselgasse

Drosselgasse

Straße zwischen Ortsausgang Richtung Dalheim und Sintfeldstraße. Bis zur frühen Nachkriegszeit war dies einer reiner Feldweg. Als Josef Dreps (Müllermanns Jupp) dort Anfang der 50er Jahre ein Einfamilienhaus errichtete, wurde das Haus „Drossels“ genannt und von da an hieß der Feldweg „Drosselgasse“

Bereits vor der kommunalen Neugliederung hatten sich in Meerhof einige Straßennamen eingebürgert. Von diesen überlieferten Straßennamen musste man sich 1976 jedoch – vor allem auf Verlangen der Deutschen Bundespost – trennen, um im Stadtgebiet Marsberg keine doppelte Nennung von Straßennamen zu haben. Es gelang nur bei wenigen Straßen, die alten Meerhofer Namen beizubehalten. Sie wurden allesamt „verhochdeutscht“ und manchmal mit Zusätzen versehen. Es sind die Straßen

 -          (Am) Dreswinkel       (platt: Winkel)

 -          Kamp(straße)

 -          Zum Nonnenbusch     (platt: Nounebuschk; hat übrigens mit Nonnen nichts zu tun, sondern mit „nounen“, was so viel bedeutet wie „Mittagsruhe halten“

 -          Im Kesperbusch         (platt: Kiärsperbuschk; hat zu tun mit „Kiärspern – Kirschen“

 Im Folgenden sind jeweils der alte und der neue Straßenname gegenübergestellt:

plattdeutscher Straßenname

hochdeutscher Straßenname

heutiger Straßenname

Kiärkwiäg

Kirchweg

Zur Egge

Hauptstrote

Hauptstraße

Dalheimer Straße

 

Fürstenberger Straße

Sintfeldstraße

Drüft

Trift

Lange Straße

Die Hauptstraße und die Trift sind seit 1976 Straßennamen im Stadtteil Niedermarsberg, die Fürstenberger Straße gibt es Essentho und die Straßenbezeichnung Kirchweg gibt es in ganz Marsberg gar nicht mehr. Vielleicht wollte man Verwechslungen mit der Kirchstraße in Niedermarsberg vermeiden und für Einheimische und Fremde, welche die Meerhofer bzw. Oesdorfer Pfarrgeschichte nicht kennen, wäre es eher verwirrend, wenn die heutige Straße „Zur Egge“ offiziell die Bezeichnung „Kirchweg“ bekommen hätte.

Christoph Lücke


Kalendereintrag 2013:

Meerhof 1913

 

28. April. Waldarbeiter durch Blitz erschlagen

Anfang April 1913 war veränderliches Wetter. Am 07. April gab es einen Schneesturm und am 12. starken Nachtfrost, so dass man Bedenken hatte, der bereits gekeimte Hafer könne verfrieren. Nach diesem starken Frostwetter trat wieder Tauwetter ein. Das Wetter wurde wieder angeneh­mer und sehr schön. Durch diese Wetterextreme bildeten sich Gewitter. Am 28. April um 16:00 Uhr entlud sich ein Gewitter über dem Meerhofer Wald und forderte ein Men­schenleben.

Beim Herannahen des Gewitters flüchteten vier Waldarbei­ter in eine Hütte des Waldes, welche an der Straße nach dem "Neuen Brunnen" stand. Je zu zweit nahmen sie nun Platz auf den Bänken. Ein Blitz traf die Hütte und tötete darin den Arbeiter Heinrich Geilhaupt, im Alter von 29 Jah­ren. Derselbe stand ein paar Tage vor seiner Hochzeit.

Durch den Blitzschlag wurde ein weiterer Arbeiter schwer und ein dritter leicht verletzt. Ein vierter blieb unverletzt.1Diese Hütte wird seitdem als Blitzhütte bezeichnet. Bei einem Sturm im Jahre 1984 wurde die Hütte durch Wind­bruch zerstört und durch den Forstwirt und damaligen Ortsheimatpfleger Anton Raue neu errichtet.

Die Arbeit im Wald war für viele Arbeiter eine dringend notwendige Tätigkeit, um in den Wintermonaten ein Aus­kommen zu haben. Viele der im Wald Beschäftigten gingen in den frostfreien Monaten einer andren Tätigkeit nach, zum Beispiel als Mauer, Zimmermann oder im Stra­ßenbau. Sehr oft hatten die Arbeiter ein bis zwei Kühe im Stall stehen. Da hieß es morgens erst die Stallarbeit machen und dann zur Arbeit gehen. Abends, wenn man zu Fuß von der Arbeit kam, musste nochmals das Vieh versorgt werden.

Die Waldarbeiter mussten alle im Akkord arbeiten, wenn sie einen angemessenen Lohn verdienen wollten. Eine der wichtigsten Arbeiten war und ist es, die Werkzeuge zu schär­fen. Das Feilen und Schränken der Sägen wurde von jedem Waldarbeiter außerhalb der täglichen Arbeit abends zu Hause erledigt.

Die zu fällenden Bäume werden durch den Förster angeris­sen und dieser weist auch die Holzfäller an, die Bäume zu fällen. Dabei geht man allgemein so vor:  Man sieht sich den Baum an, um festzustel­len nach welcher Seite der Baum dem Wuchs entsprechend fallen würde. Das ist sehr wichtig, um möglichst wenig Schaden durch den umstürzenden Baum anzurichten. Auch sollte er beim Fallen nicht in anderen Bäumen hängen bleiben. Wenn dies doch einmal passiert, ist die Aufarbeitung dieses Baumes beson­ders gefährlich und arbeitsaufwendig. Muss der Baum in eine andere Fällrichtung umgelegt werden, als die, die durch seinen natürlichen Wuchs vorbestimmt ist, so muss der Baum gekeilt werde. Es gehört eine Menge Erfahrung dazu, die geplante Fällrichtung mit Keil und Fälltechnik einzuhalten.

Als man noch keine Kettensägen hatte, mussten bei allen Bäumen die Wurzelanläufe mit der An­hauaxt beigehauen werden, möglichst alle in gleicher Höhe. Dann wurde mit der gleichen Axt der Fallkerb gehauen. Der Fallkerb wurde von zwei Holzhauern im Takt geschlagen, ohne die Axt des anderen zu treffen. Der Fallkerb durfte, auch wenn er mit der Axt gehauen wurde, nicht aussehen als wären Biber am Werk gewesen. Fallkerbgrund und -dach mussten glatt wie mit der Säge ausgeschnitten sein. War dies geschehen, so fing man an, den Stamm von der anderen Seite mit der Schrotsäge einzusägen. Weil der Stamm immer dicht am Boden abgesägt wurde, war dies eine schwere schweißtreibende Arbeit. Vom Baumstumpf soll nämlich möglichst wenig über dem Waldboden stehen und es sollen keine „Stühle“ im Wald stehen bleiben. Die beiden Leute an der Schrotsäge mussten sich deshalb tief bücken bzw. knien und die Säge parallel zum Boden führen, damit ein waagerechter Schnitt entstand. Hing der Baum in die ge­wünschte Fallrichtung, so brauchte man nicht frühzeitig zu keilen und konnte bis zur Bruchleiste weitersägen. Meist fiel der Baum von selbst. Stand der Baum senkrecht oder hing er gegen die Fallrichtung, so musste mit Keilen die Rich­tung dirigiert werden, damit der Baum dann mit der Krone das Übergewicht in die gewünscht Fallrichtung bekam. Voraussetzung war, dass der Fallkerb auch tatsächlich rechtwinklig zur gewünschten Fallrichtung eingehauen war. Das Keilen war oft anstrengender als der eigentliche Fäll­schnitt. Insgesamt war das Fällen eine mühevolle und auch gefährliche Arbeit, denn es kam immer wieder vor, dass der angesägte Baum im letzten Moment in eine andere Rich­tung fiel. Wenn der Baum dann lag, wurde der Waldbart abgeschnitten, damit das Stammende möglichst glatt und rechtwinklig wurde. Waldbart nennt man den Bruchstrei­fen an den Stammenden, der beim Fallen aus dem Wurzel­stock reißt.2

Kalendereintrag 2012: Meerhof 1947: Der "alte" Sportplatz

 

Kalendereintrag 2011: Meerhof 1961: Erweiterung der Schule

 

Kalendereintrag 2010: Meerhof 1950: Alte Meerhofer Siedlung

 

Kalendereintrag 2009: Meerhof 1899: Spar- und Dahrlehensverein

Kalendereintrag 2008: Meerhof 1958: Ehrenmal

Kalendereintrag 2007: Meerhof 1907: Wasser für Meerhof