Kalendereintrag 2013:

Meerhof 1913

 

28. April. Waldarbeiter durch Blitz erschlagen

Anfang April 1913 war veränderliches Wetter. Am 07. April gab es einen Schneesturm und am 12. starken Nachtfrost, so dass man Bedenken hatte, der bereits gekeimte Hafer könne verfrieren. Nach diesem starken Frostwetter trat wieder Tauwetter ein. Das Wetter wurde wieder angeneh­mer und sehr schön. Durch diese Wetterextreme bildeten sich Gewitter. Am 28. April um 16:00 Uhr entlud sich ein Gewitter über dem Meerhofer Wald und forderte ein Men­schenleben.

Beim Herannahen des Gewitters flüchteten vier Waldarbei­ter in eine Hütte des Waldes, welche an der Straße nach dem "Neuen Brunnen" stand. Je zu zweit nahmen sie nun Platz auf den Bänken. Ein Blitz traf die Hütte und tötete darin den Arbeiter Heinrich Geilhaupt, im Alter von 29 Jah­ren. Derselbe stand ein paar Tage vor seiner Hochzeit.

Durch den Blitzschlag wurde ein weiterer Arbeiter schwer und ein dritter leicht verletzt. Ein vierter blieb unverletzt.1Diese Hütte wird seitdem als Blitzhütte bezeichnet. Bei einem Sturm im Jahre 1984 wurde die Hütte durch Wind­bruch zerstört und durch den Forstwirt und damaligen Ortsheimatpfleger Anton Raue neu errichtet.

Die Arbeit im Wald war für viele Arbeiter eine dringend notwendige Tätigkeit, um in den Wintermonaten ein Aus­kommen zu haben. Viele der im Wald Beschäftigten gingen in den frostfreien Monaten einer andren Tätigkeit nach, zum Beispiel als Mauer, Zimmermann oder im Stra­ßenbau. Sehr oft hatten die Arbeiter ein bis zwei Kühe im Stall stehen. Da hieß es morgens erst die Stallarbeit machen und dann zur Arbeit gehen. Abends, wenn man zu Fuß von der Arbeit kam, musste nochmals das Vieh versorgt werden.

Die Waldarbeiter mussten alle im Akkord arbeiten, wenn sie einen angemessenen Lohn verdienen wollten. Eine der wichtigsten Arbeiten war und ist es, die Werkzeuge zu schär­fen. Das Feilen und Schränken der Sägen wurde von jedem Waldarbeiter außerhalb der täglichen Arbeit abends zu Hause erledigt.

Die zu fällenden Bäume werden durch den Förster angeris­sen und dieser weist auch die Holzfäller an, die Bäume zu fällen. Dabei geht man allgemein so vor:  Man sieht sich den Baum an, um festzustel­len nach welcher Seite der Baum dem Wuchs entsprechend fallen würde. Das ist sehr wichtig, um möglichst wenig Schaden durch den umstürzenden Baum anzurichten. Auch sollte er beim Fallen nicht in anderen Bäumen hängen bleiben. Wenn dies doch einmal passiert, ist die Aufarbeitung dieses Baumes beson­ders gefährlich und arbeitsaufwendig. Muss der Baum in eine andere Fällrichtung umgelegt werden, als die, die durch seinen natürlichen Wuchs vorbestimmt ist, so muss der Baum gekeilt werde. Es gehört eine Menge Erfahrung dazu, die geplante Fällrichtung mit Keil und Fälltechnik einzuhalten.

Als man noch keine Kettensägen hatte, mussten bei allen Bäumen die Wurzelanläufe mit der An­hauaxt beigehauen werden, möglichst alle in gleicher Höhe. Dann wurde mit der gleichen Axt der Fallkerb gehauen. Der Fallkerb wurde von zwei Holzhauern im Takt geschlagen, ohne die Axt des anderen zu treffen. Der Fallkerb durfte, auch wenn er mit der Axt gehauen wurde, nicht aussehen als wären Biber am Werk gewesen. Fallkerbgrund und -dach mussten glatt wie mit der Säge ausgeschnitten sein. War dies geschehen, so fing man an, den Stamm von der anderen Seite mit der Schrotsäge einzusägen. Weil der Stamm immer dicht am Boden abgesägt wurde, war dies eine schwere schweißtreibende Arbeit. Vom Baumstumpf soll nämlich möglichst wenig über dem Waldboden stehen und es sollen keine „Stühle“ im Wald stehen bleiben. Die beiden Leute an der Schrotsäge mussten sich deshalb tief bücken bzw. knien und die Säge parallel zum Boden führen, damit ein waagerechter Schnitt entstand. Hing der Baum in die ge­wünschte Fallrichtung, so brauchte man nicht frühzeitig zu keilen und konnte bis zur Bruchleiste weitersägen. Meist fiel der Baum von selbst. Stand der Baum senkrecht oder hing er gegen die Fallrichtung, so musste mit Keilen die Rich­tung dirigiert werden, damit der Baum dann mit der Krone das Übergewicht in die gewünscht Fallrichtung bekam. Voraussetzung war, dass der Fallkerb auch tatsächlich rechtwinklig zur gewünschten Fallrichtung eingehauen war. Das Keilen war oft anstrengender als der eigentliche Fäll­schnitt. Insgesamt war das Fällen eine mühevolle und auch gefährliche Arbeit, denn es kam immer wieder vor, dass der angesägte Baum im letzten Moment in eine andere Rich­tung fiel. Wenn der Baum dann lag, wurde der Waldbart abgeschnitten, damit das Stammende möglichst glatt und rechtwinklig wurde. Waldbart nennt man den Bruchstrei­fen an den Stammenden, der beim Fallen aus dem Wurzel­stock reißt.2

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