Kalendereintrag 2014:

 

Entstehung der Hausnummern.

Aufgrund von häufig auftretenden Brandunglücken, die zur Verarmung vieler  Familien führten, begann man in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Einführung einer allgemeinen Brandversicherung. Für das Hochstift Paderborn, zu dem auch Meerhof gehörte, wurde eine solche Feuersozietät 1769 eingerichtet. Für diese allgemein verpflichtende Feuerversicherung war es wichtig, ein Verzeichnis der vorhandenen Gebäude zu erstellen. In dieser Liste wurden die Gebäude mit ihrem Schätzwert eingetragen. Zu diesem Zweck wurde eine Kommission eingerichtet, welcher mehrere Bausachverständige – Zimmer-, Mauer- und Dachdeckermeister – angehörten. Jedes Haus wurde hierbei mit einer fortlaufenden Nummer bezeichnet und in das Brandkataster eingetragen. Auf diese Art und Weise entstand erstmals eine Nummerierung aller Häuser eines Ortes. Hierbei richtete sich die Nummerierung nicht nach der Lage der Gebäude, sondern lief, angefangen mit der Nummer 1 (Hofstelle „Schleykers“, heute: Alte Schule), dem Weg der Kommission folgend durch bis zum Ende. Im Urkataster von 1831 ist dem Weg der Kommission durch Meerhof noch gut zu folgen. Nach dieser Erstaufnahme erhielt jedes weitere neue Haus die nächste freie Nummer. Wurde ein bestehendes Haus z.B. durch Feuer vollständig vernichtet und der Hauseigner errichtete an anderer Stelle im Ort sein neues Haus, so erhielt dieses neue Haus die Nummer des vernichteten Gebäudes. Oft wurde so nicht nur die Hausnummer beibehalten, es ging auch der Hausname auf das neu errichtete Haus über.

Auf Dauer führte eine solche Gepflogenheit natürlich zu einem großen Durcheinander der Hausnummern. Dennoch wurde diese Ordnung bis zur kommunalen Neugliederung 1975 beibehalten.

Zur etwas genaueren Lagebezeichnung eines Wohngrundstücks wurde das Dorf inoffiziell grob in folgende Bereiche eingeteilt:

plattdeutsche Bezeichnung

hochdeutsche Bezeichnung

Lage

Üöwerdurp

Oberdorf

heutige Dalheimer Straße von Wiepen (ehemals Meggerennekes) bis Ortsausgang Richtung Autobahn und oberer Teil der heutigen Laurentiusstraße, also alles was nördlich der Kirche liegt. Dazu zählte auch der Bereich um das Feuerwehrhaus inkl. Schule.

Ungerdurp

Unterdorf

heutige Dalheimer Straße südlich von Wiepen und südlich der Kirche, also auch Taubenweg, Dränkeweg und Sintfeldstraße (mindestens bis Noltens=Rosenkranz)

Winkel

Winkel

von Raschkens (heute Turnhalle) und Langemiärtens (alte Hofstelle von Rüden) bis Hiärwest (Hofstelle Herbst)

Kamp

Kamp

heutige Kampstraße von Deykmanns (heute Schäfers) bis Günter Agethen inkl. Seitenarm bis Glunts (Niewels)

Kiärkwiäg

Kirchweg

Von Ruthens und Wiegers (Post) bis Kouhlwehners (Lülfs). Diese Straße benutzten die Meerhofer, wenn sie zu ihrer Pfarrkirche nach Oesdorf wollten. Erst seit 1902 hat Meerhof eine eigene Pfarrei.

Drüft

Trift

heutige Lange Straße von Pott (P. Henneken) und Krieners  (H. Kriener) bis zum Försterhaus

Siedlung

Siedlung

Alle nacheinander nordwestlich der Trift entstandenen Wohnstraßen, beginnend 1950 mit den heutigen Straßen „Zur Langen Grund“ und „Am Buchenwald“, 1961 gefolgt von der heutigen Straße „Zu den Eichen“ und Ende der 60er Jahre nach und nach ergänzt, zunächst mit der heutigen Herfeldstraße und der Wiesenstraße, noch später ergänzt mit der Robert-Koch-Straße, der Fliederstraße und der Beethovenstraße. Anfang der 90er Jahre wurde damit begonnen, den letzten Siedlungsabschnitt, die Mozartstraße, zu bebauen.

plattdeutsche Bezeichnung

hochdeutsche Bezeichnung

Lage

Bäcker- Ecke

Bäcker- Ecke

Weg zwischen Dalheimer Straße 3 (Klöpp) und 7 (Düllmanns) zum Spielplatz Zur Egge (ehemals ein Teich namens Dränke). Die Bäcker-Ecke hat ihren Namen vom Gehöft mit dem Hausnamen „Weggebäckers“, was so viel wie „Brötchenbäcker“ bedeuten dürfte. Weggebäckers (Familienname: Schröder) errichteten Mitte der 60er Jahre einen Aussiedlerhof nahe der heutigen Autobahn-Ausfahrt. Das alte Haus in der Bäcker-Ecke kauften Meggerennekes (Familienname: von Rüden). Heute steht dort ein von der Familie Köster (Hausname: Eckens)  neu errichtetes Mehrfamilienhaus.

Drosselgasse

Drosselgasse

Straße zwischen Ortsausgang Richtung Dalheim und Sintfeldstraße. Bis zur frühen Nachkriegszeit war dies einer reiner Feldweg. Als Josef Dreps (Müllermanns Jupp) dort Anfang der 50er Jahre ein Einfamilienhaus errichtete, wurde das Haus „Drossels“ genannt und von da an hieß der Feldweg „Drosselgasse“

Bereits vor der kommunalen Neugliederung hatten sich in Meerhof einige Straßennamen eingebürgert. Von diesen überlieferten Straßennamen musste man sich 1976 jedoch – vor allem auf Verlangen der Deutschen Bundespost – trennen, um im Stadtgebiet Marsberg keine doppelte Nennung von Straßennamen zu haben. Es gelang nur bei wenigen Straßen, die alten Meerhofer Namen beizubehalten. Sie wurden allesamt „verhochdeutscht“ und manchmal mit Zusätzen versehen. Es sind die Straßen

 -          (Am) Dreswinkel       (platt: Winkel)

 -          Kamp(straße)

 -          Zum Nonnenbusch     (platt: Nounebuschk; hat übrigens mit Nonnen nichts zu tun, sondern mit „nounen“, was so viel bedeutet wie „Mittagsruhe halten“

 -          Im Kesperbusch         (platt: Kiärsperbuschk; hat zu tun mit „Kiärspern – Kirschen“

 Im Folgenden sind jeweils der alte und der neue Straßenname gegenübergestellt:

plattdeutscher Straßenname

hochdeutscher Straßenname

heutiger Straßenname

Kiärkwiäg

Kirchweg

Zur Egge

Hauptstrote

Hauptstraße

Dalheimer Straße

 

Fürstenberger Straße

Sintfeldstraße

Drüft

Trift

Lange Straße

Die Hauptstraße und die Trift sind seit 1976 Straßennamen im Stadtteil Niedermarsberg, die Fürstenberger Straße gibt es Essentho und die Straßenbezeichnung Kirchweg gibt es in ganz Marsberg gar nicht mehr. Vielleicht wollte man Verwechslungen mit der Kirchstraße in Niedermarsberg vermeiden und für Einheimische und Fremde, welche die Meerhofer bzw. Oesdorfer Pfarrgeschichte nicht kennen, wäre es eher verwirrend, wenn die heutige Straße „Zur Egge“ offiziell die Bezeichnung „Kirchweg“ bekommen hätte.

Christoph Lücke